Die Deutsche Bahn und noch höhere Gewalten

Auszug aus einem Kontext-Artikel vom 11.5.

Aber auch wenn der Minister sich traut, in erhitzten Zeiten besonnen zu bleiben, handelt es sich bei der Kritik an Verkehr und Politik um ein anderes Paar Schuhe. Mit der DB AG ist Kontext-Autor Winfried Wolf immer wieder hart ins Gericht gegangen – nun hat sie sich wahrscheinlich an ihm gerächt. Am 9. Mai sollte Wolf am späten Abend eigentlich eine Rede auf der Montagsdemo gegen Stuttgart 21 halten, stieg zu diesem Zweck um 14:37 Uhr in München-Pasing in den Zug. Sollte doch ewig reichen! Mitnichten. Erst ein Stopp kurz vor Augsburg, dann zurück nach München Hbf, dann wieder Richtung Stuttgart, dann Pause in Pasing („Türstörung“). „Nach einer dreistündigen Irrfahrt“, so Wolf, „war klar: Es ist der Wille der Bahn-Oberen, dass ich heute in Stuttgart nicht sprechen durfte.“ Deshalb gibt’s seine Rede hier bei Kontext verlinkt.

Nicht verhindern können wird die DB AG eine zweitätige, von Wolf mitorganisierte Konferenz, die am 14. und 15. Mai in Stuttgart über die Bühne gehen wird: Unter dem Titel „Klima-Bahn statt Beton-Bahn“ wird es darum gehen, wie eine Verkehrspolitik aussehen sollte, die den Anforderungen des Klimawandels Rechnung trägt – kleiner Spoiler: nicht so wie aktuell in Deutschland. Los geht’s am Samstag um 12:30 Uhr mit einer Kundgebung am Hauptbahnhof. Auch Peter Lenk, der provokationsfreudige Bildhauer vom Bodensee, wird im Rahmen der Tagung sein neues Buch „Zoff im Spätzlesumpf“ vorstellen – eine ganz und gar subjektive Chronik der Stuttgarter Posse um Lenks Stuttgart-21-Skulptur, die nicht in der Stadt bleiben durfte. Für Kontext-LeserInnen hier das Kapitel „Die Sitzung“ als kleines Appetithäppchen.

Und auch wenn die Bahn nicht nur Kontext-AutorInnen mitunter aberwitzige Odysseen zumutet, erreicht die Verspätung immerhin nur selten die vollen zehn Jahre, die der namensgebende Held der griechischen Mythologie auf seinem Heimweg aus Troja umherirrte. Auf seiner langen und abenteuerlichen Reise hat Odysseus Kyklopen bezwungen und den Göttern getrotzt. Noch etwas mehr hat Kontext inzwischen erlebt – und so feiern wir unseren mittlerweile elften Geburtstag! Diese kleinstmögliche Schnapszahl wollen wir am 12. Juni mit einem gebührenden Fest zelebrieren. Mehr Informationen gibt es hier.

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